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Semesterprogramm
Die nächsten Veranstaltungen:
Juni
Morgen 17 Uhr 00 s.t.
Donnerstag WCV auf ein Bier mit Dr. Armin Wolf (2)
Wien
30. Juni 19 Uhr 30 c.t.
Freitag Abschlusskneipe (4) off.
mit e.v. K.Ö.H.V. Waltharia
 
Bei allen Veranstaltung sind Damen und Gäste herzlich willkommen! Ausnahmen sind nur beschlußfassende Convente (BC, CC, AHC) (rot) und FCs (grau).

[ Das ganze Programm ]


Walter Caldonazzi
Der folgende Artikel zu unserm Bundesbruder Walter Caldonazzi wurde von Bbr. Roman Posch v/o Marco geschrieben. Der Artikel erschien in der Sondernummer der Verbindungszeitschrift GGR zum runden Stiftungsfest und wurde unverändert auf der Homepage übernommen. Sprache und Stil mögen als nicht mehr modern gelten, an Aussagekraft hat der Text jedoch nichts eingebüßt.

Amelungia in Widerstand und Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus – Hauptbezug auf Bundesbruder Caldonazzi

Wir sehen es heute als unsere Pflicht an, das Andenken an den katholischen Widerstand wachzuhalten. Der persönliche Mut, die christliche Überzeugung und die Treue zum ausgelöschten Österreich unserer Bundesbrüder sind und Vorbild und Herausforderung. Als Katholiken sollen wir uns auch heute zu den Fragen unserer Zeit, unserer Gesellschaft und unserer Kirche einbringen.

Als Bundesbruder Walter Caldonazzi am 9. Jänner 1945 um 18:00 h aus der „Armen Sünderzelle“ im Wiener Landesgericht zur Hinrichtung durch das Fallbeil geführt wurde, rief er: „Himmlischer Vater, rechne bitte meinen Mördern diese Bluttat nicht als Sünde an; Herr vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun ! Näher mein Gott zu Dir ! Es lebe Christus der König ! Dies meine letzten Gedanken ! Lebt wohl alle Ihr Lieben ! – Euer Walter

Mit brutalstem Terror versuchte das nationalsozialistische Regime noch 1945 – als der Krieg schon längst verloren war – jeglichen Widerstand im Keime zu ersticken. Auf dem Schafott im Wiener Landesgericht wurden während der NS-Ära 1184 Hinrichtungen exekutiert (Stand Ende 1944). Zwischen Jänner und März 1945 starben hier weitere 51 Menschen. Einer von ihnen war unser Bundesbruder Caldonazzi v. Faßl. Die letzte Hinrichtung erfolgte am 22. März 1945, wenige Wochen vor der Befreiung Wiens vom NS-Regime.

Walter Caldonazzi wurde am 4. Juni 1916 in Mals im Vinschgau, Südtirol, geboren, wuchs in Kramsach in Tirol auf und besuchte als Fahrschüler das BRG in Kufstein und legte dort 1934 die Matura ab. Er trat dort der katholischen Mittelschulverbindung Cimbria im MKV bei. Im Dezember 1933 hatte er beim Einsteigen in den Zug einen schweren Unfall, der einen Hüft- und Beinbruch mit schweren Dauerfolgen nach sich zog. Für ihn als natur- und vor allem bergbegeisterten Menschen war diese bleibende körperliche Benachteiligung sicher nicht einfach wegzustecken. Auf Fotos posiert er häufig in Couleur oder Wichs und sieht besonders fesch und mutig aus. Vielleicht hatte er so die Unfallsfolgen ein wenig kompensiert. Es kam noch dazu, daß ihn die Hüftverletzung mitunter zwang, mit einem Stock zu gehen, den er laut Aussage unseres Bbr. DIng. Hellebart v. Gernot – ein Zeitzeuge – bei diversen Couleurbummeln in den Arkaden der Universität Wien immer mit sich hatte für den Fall von tätlichen Auseinandersetzungen. Für ihn war es immer beruhigend zu wissen, dass in der letzten Reihe Bbr. Caldonazzi mit dem Stock ging.

Nach der Matura im Jahre 1934 führte Bbr. Caldonazzi der Weg nach Wien, wo er an der Hochschule für Bodenkultur mit Fachrichtung Forstwirtschaft sein Studium begann und es mit dem Titel Diplomingenieur abschloß. In dieser Zeit trat er der K.Ö.H.V. Amelungia-Wien bei und wurde 1937 als deren Mitglied rezipiert. Es folgte der 12. März, der letzte Tag Österreichs.

In der Folgezeit trafen sich Amelungen geheim in kleineren Gruppen. Eine solche Gruppe waren die aktiven Burschen Auer, Hellebart und Lautsch und die beiden Füchse Caldonazzi und Eisemann. Als der Monat Juni 1938 nahte, fragte Caldonazzi: „Habt's was vor, Burschen ? Ich will vollwertiges Mitglied der Amelungia werden !“. Es erfolgte bald darauf die Burschung von Caldonazzi im Juni 1938, bereits zur Zeit des NS-Regimes, natürlich geheim in der Wohnung der Eltern von Hellebart im 13. Bezirk, bei denen auch die Wichsen, diverse Couleurartikel und auch eine Büste von Cartellbruder Bundeskanzler Dr. Dollfuß vorübergehend versteckt wurden. Bundesbruder Auer, ein blendender Redner, hielt die Burschungsrede. Er sprach vom Tyrannen Hitler und hat an Hand der Geschichte bewiesen, daß ein Tyrannentum nicht lange hält, von Caesar bis Napoleon. Dies hat Bbr. Caldonazzi imponiert. Dann schritt der Senior, Bundesbruder Lautsch, zur Burschung und als er die Worte „ex auctoritate et dignitate conventus...“ sprach, leuchteten Caldonazzis Augen wie Spiegel seiner Seele.

Bundesbruder Caldonazzi war allem Anschein nach ein sehr extrovertierter, fröhlicher Mensch, gleichzeitig aber auch tief religiös und ein streng gläubiger Katholik, der sich der Bedeutung des täglichen Gebetes, das er praktizierte, voll bewußt war. Dieses hat ihm auch Mut und Kraft gegeben, sein Leben für die Freiheit aufs Spiel zu setzen und für Gott und Vaterland hinzugeben.

Als glühender Patriot und aufrechter Österreicher konnte sich Caldonazzi mit der brutalen Besatzung seiner Heimat durch das NS-Regime und den verbrecherischen Krieg nicht abfinden. Aus seiner Einstellung machte er keinen Hehl und eigentlich war es unausweichlich, daß seine Tätigkeit im Widerstand einmal bekannt werden mußte. Er wurde bald führendes Mitglied einer bedeutenden Widerstandsorganisation der österreichischen Freiheitsbewegung in der Gruppe des Kaplans Dr.Dr. Heinrich Maier in Wien. Bei seinen Besuchen in Tirol organisierte er gemeinsam mit seinem Vater und den Arbeitern auch im Messingwerk Achenrain eine Widerstandsbewegung.

In der Anklageschrift wurde Caldonazzi vorgeworfen, durch den Aufbau einer österreichischen Freiheitsbewegung den separatistischen Hochverrat in den Alpen- und Donaugauen vorbereitet zu haben, staatsfeindliche Flugzettel hergestellt und verbreitet und Hetzinschriften wie „Österreich den Österreichern ! Piefke hinaus !“ angebracht zu haben. Weiters wurde ihm vorgeworfen, Lagepläne deutscher Rüstungswerke ins Ausland verraten zu haben, um Luftangriffe der Feinde auf deutsche Rüstungsbetriebe herbeizuführen.

Weitere Stationen seines nur mehr kurzen Lebens und danach:

  • Vorläufige Festnahme durch die Gestapo und Beginn der Gefängnishaft am 15. Jänner 1944.
  • Anklage am 5. Oktober und Verurteilung zum Tode am 28. Oktober 1944 vom Volksgericht Berlin in Wien wegen Vorbereitung zum Hochverrat als tätiges Mitglied der österreichischen Widerstandsbewegung.
  • Hinrichtung im Landesgericht Wien am 9. Jänner 1945 um 18.04 h.
  • Bestattung in einem Reihengrab im Zentralfriedhof von Wien. Umbettung in den Klosterfriedhof von Breitenfurt bei Wien am 14. Juni 1947 unter dem Philistersenior Dr.cer. Willibald Mayer.
  • Jährlicher Grabbesuch zu Allerheiligen/Allerseelen unter Leitung des Bundesbruders Monsignore Enzmann.
  • Endgültige Beisetzung der sterblichen Überreste in der Familiengrabstätte im Friedhof von Pradl/Innsbruck am 26. Oktober 1976.
  • Im September 1993 Anbringung einer Caldonazzi Gedenktafel seitens Amelungia am Almkreuz der Praa-Alm/Wildschönau (Errichtung durch dortigen Forstwirte-Verein) gemäß Caldonazzis Wunsch, den er in einem seiner letzten Briefe aus dem Gefängnis am 1. Jänner 1945 deponierte. Wörtlich zitiert: „... Eine Freude hätte ich, das heißt eine Bitte: Bringt mir am schönsten Platz der Welt, wie er mir schien, am Almkreuz auf der Praa-Alm ein Marterl an mit der Bitte um Gebet und den Worten: O Land Tirol, mein einzig Glück, dir sei geweiht mein letzter Blick !
  • Gedenkstein-Errichtung (Initiative von Amelungia) und Enthüllung in Kufstein am Fuße der Festung am 11. Mai 2002 anläßlich der 45. CVV in Kufstein.

So tragisch das Schicksal unseres Bundesbruders Caldonazzi war, so möchte ich doch darauf hinweisen, daß noch andere Conphilister und Bandphilister Amelungiae in dieser Zeit im Widerstand vieles mitgemacht haben, ja zu Tode gekommen sind.

Caldonazzi v. Faßl wurde hingerichtet, Bundesbruder Hardeck v. Spund ist im KZ Kaufering im Frühjahr 1945 umgekommen, Bbr. Rabensteiner P. Alberich wurde von den Sowjets erschlagen. Viele andere Amelungen waren in Gefängnissen der Polizei und der Gestapo oder auch im KZ, wie die Bundesbrüder DIng. Leopold Figl, Monsignore Josef Enzmann, beide im KZ Dachau in Haft, Prälat Jakob Fried – Haft in Wien und Regensburg, Dr. Leopold Müksch, einer der Gründer Amelungiae – sechs Wochen Gestapohaft. Sie möchte ich stellvertretend für viele andere nennen.

Der Vollständigkeit halber sei ein kurzer personeller Überblick der Verbindung Amelungia zur damaligen Zeit angeführt:

  • Mitgliederstand der Gesamtverbindung im März 1938: 178 Bundesbrüder
  • Abgang während des Zweiten Weltkrieges: 16 Gefallene und 3 ermordete Bundesbrüder
  • Stand im Sommer 1945: 159 Bundesbrüder

Wir dürfen stolz darauf sein, wie sich unsere Amelungia, unsere Amelungen, während des nationalsozialistischen Regimes verhalten haben. Ein Wort muß aber auch all jenen gewidmet sein, die als Soldaten unendliches Leid erfahren haben.

Machen wir uns dem Gedenken an Bbr. Caldonazzis Befreiungstat würdig, indem wir selbst frei werden, innerlich frei werden von allen kleinlichen Hemmungen, die da und dort Mensch vom Menschen, Bundesbruder vom Bundesbruder trennen. Auch heute müssen wir für Freiheit kämpfen: Wenn die Strukturen und die Reglements Gründergeist und Selbständigkeit behindern, geistige Bevormundung die Vielfalt an Meinungen unterdrücken will oder wenn Bequemlichkeit dazu führt, daß man seine demokratischen Rechte nicht nützt.

Freiheit bedeutet aber auch, Verantwortung nicht zu scheuen beim Auftreten gegen Ungerechtigkeit, bei der Hilfe für den Nächsten und beim Teilen von lebensnotwendigen Gütern. Wir müssen täglich – auch heute noch – daran arbeiten, Österreich frei zu halten von Engstirnigkeit und Intoleranz gegenüber anderen Menschen und Meinungen.

Bbr. Roman Posch v/o Marco



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